Leseprobe
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aus dem Buch
Alles im grünen Bereich!
Das Leben ist lebensgefährlich
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Das Leben ist lebensgefährlich. Bereits morgens um sieben muss man mit dem Schlimmsten rechnen. Man ist arglos, weil man die Nacht gut überstanden hat und lebendig aufgewacht ist. Aber genau darin besteht die Gefahr!
Man lässt sich nur allzu gerne in scheinbare Sicherheit einlullen und wechselt die Unterhose wieder einmal im Stehen. Natürlich weiß man ganz genau, dass das mit dem Gleichgewicht nicht mehr klappt. Aber es ging ja bisher immer gut – trotz alterslahmem Kreuz und steifer Beine. Besonders das linke. Man verfängt sich mit den Zehen im linken Eingriff des zwickelgenähten Doppelrippschlüpfers und ist knappe zehn Sekunden später tot.
So schnell geht das. Weil man verdrängt hat, wie lebensgefährlich das Leben ist.
Im harteckigen, verwinkelten Bad stürzt man genau so, wie man es seit Jahrzehnten hatte kommen sehen, jedoch niemals ernsthaft für möglich gehalten hatte – jedenfalls nicht für sich selbst.
„Ich brech mir noch den Hals, mit diesen scheiß Unterhosen!“ Diese Vorhaltung hatte ich Bärbel unzählige Male gemacht. Aber sie zuckte dann nur mit den Schultern. Nie war ihr etwas anderes eingefallen, als mich in vorwurfsvollem Ton zum Sitzen aufzufordern.
„Zieh doch deine Unterhosen im Sitzen an“, riet sie mit kaltblütiger Gelassenheit, „dann wirst du mich locker überleben.“
Meist setzte sie noch eines drauf, indem sie mir empfahl, mich auch zum Anziehen der Socken hinzusetzen. Der Höhepunkt bestand allerdings darin, dass sie mir mit Sport drohte: „Tu endlich was! Jeden Morgen zehn Rumpfbeugen. Das würde schon genügen.“
„Und im Sitzen pinkeln“, giftete ich ihr hinterher, „das hast du vergessen.“
Es war einfach nicht mit ihr zu reden.
Nun, da ich tot bin, macht sich Bärbel die schlimmsten Vorwürfe, obwohl ihr nicht einfallen will, was sie eigentlich falsch gemacht hat. Egal, Hauptsache sie hat Gewissensbisse. Obwohl mir das auch nicht mehr hilft. Denn nun bin ich tot. Ein für alle Mal.
(...)
Copyright © Klaus Schwingel